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aktualisiert am
14. April 2010


Hintergrund dieser Website

> Zielsetzungen dieser Seite  > Wie es zu dieser Seite kam  > Warum Opferforschung im Internet?   


Zielsetzungen der Seite www.opferforschung.de
Menschen werden täglich Opfer von Gewalt - von Gewalt in unterschiedlichsten Erscheinungsformen. Opfer zu werden bedeutet, Schaden zu erleiden, verletzt zu sein, in welcher Form auch immer.
Die Opferforschung befasst sich aus einer wissenschaftlichen Perspektive mit dem Opfer, seinem Befinden und Empfinden, seinen Verletzungen, seinem Bewältigungsverhalten, seiner Lebenssituation. Die Ergebnisse dieser Forschung tragen dazu bei, die Situation von Gewaltopfern besser zu verstehen und bilden die Grundlage einer an den Bedürfnissen der Betroffenen orientierten Opferhilfe. Die wissenschaftliche Opferforschung (Viktimologie) versteht sich primär als Wissenschaft vom Kriminalitätsopfer. Auch auf dieser Website steht das Kriminalitätsopfer im Vordergrund, jedoch nicht ausschließlich.

Neben dem Gewaltopfer steht auf dieser Website das Internet im Fokus. Das Internet ist mittlerweile zum Alltagsmedium geworden. Fragt man danach, was das Internet mit Opferforschung zu tun hat, kommen einem möglicherweise zuerst Opfer des Internets in den Sinn - Opfer von Internet-Kriminalität oder Schlagworte wie "Cyberstalking" und "Cybermobbing". Dies ist ein nicht zu leugnender oder zu relativierender Teil der Internetrealität. 
Dem gegenüber steht jedoch eine weniger beachtete und weniger spektakuläre Seite des Internets, die hier im Vordergrund stehen soll: Das Internet ist auch ein Medium, das in besonderem Maße geeignet ist, Opfern von Gewalt zu helfen und der Opferforschung neue Erkenntisse und Einblicke zu ermöglichen.
Die Internetforschung befasst sich mit dem Internet aus einer wissenschaftlichen Perspektive und untersucht beispielsweise das Nutzungsverhalten der Internet-User und die Besonderheiten computervermittelter Kommunikation. Das Internet ist dabei sowohl Forschungsgegenstand als auch Forschungsinstrument.

Langfristiges Anliegen der Seite www.opferforschung.de ist es, die Schnittstelle der beiden Forschungszweige Internetforschung und Viktimologie möglichst umfassend zu beleuchten, insbesondere:

  • die Möglichkeiten und Grenzen der Opferforschung via Internet aufzuzeigen, 
  • ethische Fragestellungen der Opferforschung im Internet zu behandeln, 
  • spezifische methodische Fragestellungen zu beleuchten und  
  • Hinweise auf laufende und bereits abgeschlossene Studien der internetabasierten Opferforschung zu geben. 


  • Wie es zu dieser Seite kam
    Grundidee und erster Entwurf dieser Seite entstanden aus meinem Interesse an der Thematik "Opferforschung im Internet", die sich inhaltlich an der Schnittstelle von Internetforschung, Kriminologie und Psychotraumatologie bewegt.
    Die Grundsteine dieser Seite wurden im Jahr 2005 gelegt - im Ramen einer internetbasierten viktimologischen Studie wurde diese Seite erstmals eingerichtet. Diese Studie wurde damals von der Dietmar
    -Hopp-Stiftung finanziert und ist mittlerweile abgeschlossen.

    Danken möchten an dieser Stelle all jenen, die dazu beigetragen haben, mein Interesse und meine Begeisterung für diese Themen zu wecken und nachhaltig aufrecht zu erhalten: Dies sind - unter anderen:
    Herr Prof. Dr. Joachim Funke
    Frau Prof. Dr. Nicola Doering
    Herr Prof. Dr. Günter H. Seidler
    Herr Prof. Dr. Dieter Dölling
    Herrn Prof. Dr. Dieter Hermann



    Warum Opferforschung im Internet?

    Im folgenden einige Aspekte, die deutlich machen, warum Opferfoschung via Internet sinnvoll und notwendig ist:

    1. Verbreitung des Internets/Erreichbarkeit von Opfern
    • Über das Internet ist eine sehr große Anzahl von Opfern verschiedener Delikte potenziell erreichbar.
    • Über das Internet sind potenziell auch Opfer erreichbar, die weder Opferhilfe noch psychotherapeutische Einrichtungen in Anspruch nehmen.
    • Experimente und Befragungen der Allgemeinbevölkerung via Internet machen Studien jenseits der üblichen "studentischen Stichproben" möglich.
    • Es ist davon auszugehen, dass es eine Gruppe von Opfern gibt, die ausschließlich über das Internet kommuniziert, weil es - für sie - die niedrigschwelligste Form der Kommunikation ist und die einzige Form der Kommunikation, die ihre Person in ausreichendem Maße schützt. Die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit, die Potenziale des Internets hierfür zu erforschen und auszubauen stehen außer Frage.
    2. Anonymität des Internets
    • Eine Befragung im Internet ist anonymer als jede andere Form der Befragung. Das Internet bietet deshalb die Möglichkeit, Befragungen zu hoch sensiblen Themen durchzuführen.
    • Das Internet wird von Gewaltopfern intensiv zur Selbsthilfe genutzt.
    • Via Internet sind potenziell Opfer erreichbar, die sich niemandem mitteilen; d.h., via Internet können auch Opfer im Dunkelfeld verstärkt erreicht werden.
    • Die Internetumgebung bietet für Opfer ein Maximum an eigenem Entscheidungsspielraum - anders als bei Telefonbefragungen oder Face-to-Face-Befragungen kann die Entscheidung zur Teilnahme an einer Befragung zu jedem (!) Zeitpunkt rückgängig gemacht werden, ohne dies in irgend einer Form mitteilen, rechtfertigen oder begründen zu müssen.

    3. Effizienz von Online-Erhebungen
    • Das Internet bietet vielfältige technische Möglichkeiten (Einsatz von Filterführungen in Fragebögen, randomisierte Zuteilungen etc.)
    • Befragungen im Internet ermöglichen große Stichproben mit relativ geringem finanziellen, personellem und materiellem Einsatz.

    Einschränkungen der Opferforschung im Internet:
    • Die Grundgesamtheit der Internetnutzenden ist unbekannt.
    • Eine Teilnahmekontrolle ist nur begrenzt möglich.
    • Opferbefragungen können bei den Befragten zu psychischen Belastungen führen.
    • Die Internetnutzenden sind nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung.
    • Offene Befragungen via Internet führen immer zu selbst selektierten Stichproben.
    • Die Konzeption einer Befragung muss den genannten Einschränkungen Rechnung tragen.